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Das Nagelkreuz
Drei vierkantige, grosse, handgeschmiedete Zimmermannsnägel, zwei in der Waagrechten, ein grösserer in der Senkrechten, bilden zusammen ein Kreuz, das Nagelkreuz von Coventry. Dieses Kreuz dient der Nagelkreuzgemeinschaft als Symbol eines weltweiten Versöhnungswerkes.
Am 14. November 1940 bombardierte Hitlers Luftwaffe im Krieg gegen England auch die Provinzstadt Coventry, Wiege der britischen Automobilindustrie. Die Zerstörung war infernal, zahlreiche Zivilisten starben, viele Gebäude wurden zerstört unter anderem auch die St. Michaels Kathedrale. Reichsmarschall Göring prahlte am Deutschlandsender: «Nun werden wir die Städte Englands eine nach der anderen ‹coventrieren›.» Das Wort, vermutlich vom Demagogen Goebbels geprägt, wurde zu einem der nazitypischen Unwörter und wurde, solange Deutschland das Kriegsgeschehen diktierte, von der Wehrmacht und den Medien mit «pulverisieren durch Luftangriffe» gleichgesetzt.
Wer immer auf die Idee kam, aus den verbrannten Dachbalken der Kathedrale von Coventry die Nägel herauszulösen, um daraus Kreuze zu machen, Kreuze der Versöhnung, bleibt für die Nachwelt namenlos. Der Herr wird auch seinen Namen kennen. Überliefert ist hingegen die Weihnachtspredigt von Dompropst Dick Howard, die er gut einen Monat nach der Zerstörung in den Trümmern der Kathedrale hielt. «Wenn dieser Krieg zu Ende ist, werden wir mit denen, die heute unsere Feinde sind, eine freundlichere, einfachere, christlichere Welt bauen.»
Nach dem Krieg brachte Howard dann Nagelkreuze in zerstörte deutsche Städte «als ein Zeichen für die in Christus geschehene und auch verfeindeten Völkern eröffnete Versöhnung und für den Neuanfang, der daraus entstehen kann.» (www.nagelkreuzgemeinschaft.de) Heute gibt es in zahlreichen Ländern Nagelkreuzzentren – ein Netzwerk, das sich um Versöhnung bemüht. So wurde das Nagelkreuz zur christlichen Antwort auf den Hass des nationalsozialistischen Hakenkreuzes.
Das Nagelkreuz signalisiert durch Material und Konstruktion, dass Versöhnung nie leicht zu haben ist. Oft ist es eine harte, eine eiserne Angelegenheit. Für echte Versöhnung braucht es immer zwei, entsprechend den zwei Nägeln in der Horizontalen. Das Nagelkreuz selber ist ein schmuckloses Kreuz. Im Unterschied zu Prunkkreuzen weist es nicht auf die Grösse von Christi Erlösungswerk hin, dessen Wert selbst Gold und Edelsteine noch unangemessen widerspiegeln, sondern auf das Leiden Jesu. Leiden aber ist nicht schön. Leiden stellt das Leben in Frage. Antwort auf Karfreitag gibt es erst an Ostern.
Pfr. Claudio Jegher, Interlaken