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Gebrauchsanweisung
«Zunächst möchten wir Ihnen für den Kauf unseres [ ]-Rasenmähers danken. Unsere Firma, die seit Jahren …» Blablabla. – «Allgemeine Hinweise. 1. Lesen Sie die Anleitung sorgfältig durch. Machen Sie sich mit den Bedienelementen …» Weiterblättern, weiterblättern … Ah, hier kommt’s! «Zum Starten des Motors mit dem System Touch-N-Mow … 3. Den Primer dreimal betätigen. 4. Den Sicherheitsschlüssel einsetzen und im Uhrzeigersinn drehen bis zur RUN-Position. 5. Hinter der Haltestange positioniert, die Taste rechts vom Hebel System 2 betätigen und in Position halten. 6. Zum Starten des Motors den Hebel System 2 gegen die Haltestange anziehen und positioniert halten.» – Heureka! Es funktioniert! Der Mäher läuft und schneidet brav das Gras. Ich trotte hinter ihm her und meine Gedanken spazieren davon.
Das Bonmot eines verehrten Professors gesellt sich zu mir hinter die röhrende Maschine. «Wer in der Bibel liest, sollte sich mindestens so konzentrieren wie beim Lesen der Gebrauchsanweisung zur neuen Nähmaschine.» Mindestens. Mehr wäre also besser. Ich denke daran, mit welcher Konzentration ich die Gebrauchsanweisung für den Rasenmäher studiert habe. Ich hatte ein Ziel vor Augen. Was mich wiederum motivierte. Also konzentrierte ich mich. Wer in der Bibel liest, hat auch ein Ziel vor Augen. Er hat den vor Augen, von dem es in einem Kirchenlied heisst, er sei Ursprung und Ziel aller Wege. Ziellos in der Bibel lesen, das ist so bizarr wie grundlos Gebrauchsanweisungen studieren.
Seltsam, wir konzentrieren uns darauf, eine Nähmaschine oder einen Rasenmäher in Gang zu bringen, aber uns auf Gottes Wort einzulassen, sich auf das Buch der Bücher zu konzentrieren, scheint vielen inzwischen zu anstrengend. Dabei ist manches in diesem Buch viel einfacher zu verstehen als ein Manual. «Was immer ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut auch ihnen.» Matthäus 7, 12 Ist das etwa schwierig? Ist doch betörend einfach. Die Verunglimpfung der Bibel als schwieriges Buch, ist das nicht häufig eine oberfaule Ausrede, die wie alles Faule zum Himmel stinkt?
Keine Ausrede, sondern einen Denkanstoss zur Sache verdanken wir Mark Twain. «Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten mit den Bibelstellen, die sie nicht verstehen. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass mich gerade diejenigen Bibelstellen beunruhigen, die ich verstehe.» Das Zitat findet sich zusammen mit anderen in einer schmalen Broschüre der Deutschen Bibelgesellschaft mit dem Titel «Das wichtigste Buch». Falls sich jemand interessiert, ich habe noch ein paar Exemplare zur freien Vergabe.
Pfr. Claudio Jegher, Interlaken