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Zimtstern
"Schmeckt und seht wie gütig der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut!" Ps 34, 9
Es riecht gut aus der Küche. So gut riecht es nur einmal im Jahr. Die Mailänderli und Zimtsterne liegen wie brave Soldaten auf dem Backblech. Einzig das Kleid fehlt ihnen noch. Die einen bekommen einen Rock aus Eigelb, andere einen Wams aus Eiweiss und dann ab in den Ofen. Hübsch sehen sie aus, diese kleinen Vorboten des Kommenden - und wie die erst schmecken!
Manchmal braucht es ganz wenig, ein Zimtstern zum Beispiel, und eines dieser alten Bibelworte macht seine Tür hoch und die Tore weit, so dass der Blick frei wird auf Gott hin, auf jenen Gott hin, von dem der Psalmist sagt, dass er gütig sei und dessen Güte man schmecken und sehen darf, zum Beispiel in Form eines Zimtsterns. Gewiss, man kann Zimtsterne auch essen, ohne gleich an Gott zu denken. Aber kann man in Wahrheit an Gott denken, ohne ihm auch für die Zimtsterne zu danken?
Sterne lenken unsere Blicke himmelwärts, auch Zimtsterne können das. Sterne bringen uns leicht zum Staunen. So viele, so weit herum - und doch ringsum nur auf unserem Stern Leben. Ein Blick zu den Sternen kann Sorgen klein und nichtig erscheinen lassen. Und ein guter Zimtstern erfreut nicht nur unseren Gaumen, sondern mit Liebe gebacken auch den Nachbarn. Vor allem aber erinnert uns jeder Zimtstern an jenen Stern, der über dem Stall zu Betlehem stand. In diesem Stall lag in eine Krippe gebettet Gottes menschgewordene Güte. Darauf zeigte der Stern über dem Stall. Er leuchtet und ruft: "Schmeckt und seht wie gütig der Herr ist."
Im hebräischen Wort für schmecken schwingt nicht nur die Bedeutung von Gaumenfreude mit, sondern auch jene von wahrnehmen, spüren, verstehen. Erst was einer kostet, kennt er. Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Isst er's aber, kennt er's. Wer noch nie Freude gefühlt, weiss nicht, was Freude ist; wer noch nie Kummer gespürt, weiss nicht was Kummer ist. Also: Erst dort, wo Gott wahrgenommen wird, lässt sich auch erfahren, dass er gütig ist. Zimtsterne sind da nur eine kleine Hilfe. Weit hilfreicher ist die Verheissung des Psalms: "Wohl dem, der auf Gott traut!" Wohl dem, der, wenn er Zimtsterne isst, nicht nur seinen Gaumen kitzelt, sondern auch seinen Glauben pflegt! Sein Stern wird leuchten.
Pfr. Claudio Jegher, Interlaken